„Zartbitter“
ist der Name dieses Jazz-Quartetts, und gleichzeitig das Motto seiner aktuellen
CD - sie hat den Schmelz von Barmusik und zugleich das Flair von edlen
Jazzballaden und groovenden Standards.
Wenn Heinz
Bierling zum Altsaxophon greift, dann erklingen mit seinem unverwechselbaren
schneidend-scharfen Sound gefühlvolle und zugleich hintergründige Balladen. Auf
dem Tenorsaxophon wird es schon zärtlicher: Entspannt dahingehauchte Melodien,
bald Swing, bald Latin; aber auch rockig röhrende Titel bereichern diese
Aufnahmen um weitere Facetten. Wenn dann noch die Klarinette in’s Spiel kommt,
geht auch schon mal so richtig groovy die Post ab. Die virtuosen Soli lassen
manchmal auch geographische Grenzen verwischen, wenn wie bei Caravan auch
Elemente der Klezmer-Musik verarbeitet werden. Daß auf dem Akkordeon auch
gejazzt werden kann, ist leider fast in Vergessenheit geraten. Zwei Titel
dieser CD belegen, daß Heinz Bierling auch dieses Instrument einer locker
swingenden Verwendung zuführen kann.
Das
swingende und solide Fundament kommt natürlich von Günter Logé. Die
südpfälzische Schlagzeuglegende zeigt sich auch hier wieder in Top-Form. Ob heavy-groovendes
Up-Tempo, coole Ballade oder easy dahingleitender Medium-Swing: Selten hört man
ein Schlagzeug, das musikalisch in den Rest der Band so tiefgreifend integriert
ist. Man beachte nur die Soli bei Cute und Sweet Georgia Brown.
Wenn wir
schon beim Fundament sind, wollen wir nun Niklas Braun und seinen Kontrabaß
würdigen. Obwohl erst einundzwanzig Lenze zählend, entlockt er doch seiner Baßgeige
diesen beeindruckenden Swing, als ob er schon in den dreißiger Jahren damit
angefangen hätte. Aber auch bei den Balladen läßt er sein Instrument gefühlvoll
singen und gibt ihnen so erst das richtige jazzige Flair.
Ob
harmonisch geschmackvolle Begleitung, perlende Soli oder dezente, aber perfekt
sitzende Einwürfe:
Nicht nur
der pianistische Part, sondern auch zwei Kompositionen dieser Produktion,
darunter der Titelsong, stammen von Thomas Bierling. Namensähnlichkeiten sind
hier weder zufällig noch beabsichtigt, sondern unvermeidlich: auch
Musikgeschmack scheint manchmal vererblich zu sein. Familienunternehmen dieser
Art sind jedenfalls relativ selten in der Jazzszene.
Tracks:
1.
Up! (T. Bierling)
2.
Pennies from Heaven (A. Johnston)
3.
Zartbitter (T. Bierling)
4.
Wave (A. C. Jobim)
5. Flamingo
(T. Grouya)
6. Caravan
(D. Ellington, J. Tizol)
7. Harlem
Nocturne (E. Hagen)
8.
Cute (N. Hefti)
9.
As Time Goes By (H. Hupfeld)
10.
Misty (E. Garner)
11.
Sweet Georgia Brown (M. Pinkard, B. Bernie, K. Casey)
12.
The Shadow of Your Smile (J. Mandel)
13.
Memories of You (E. Blake)
14.
September Song (K. Weill)
15. Autumn Leaves
(J. Kosma)